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Legendenbildung

 

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Die wilden Tage boten eine Menge Stoff zur Legendenbildung. So heißt es oft, die Unruhen seien von Drag-Queens begonnen worden. Augenzeugen und Fotos können dies nicht belegen. Ein anderer Mythos handelt von den unterdrückten New Yorker Schwulen, die sich nur noch mit Gewalt wehren konnten. Zwar hatte bis 1965 jede Bar ihre Alkohollizenz verloren, in der drei oder mehr Schwule bedient wurden. Doch 1969 galt das nicht mehr; der neue New Yorker Bürgermeister John V. Lindsay, ein liberaler Republikaner, war überzeugt worden, dass diese Praxis vor Gericht nicht standhalten würde.

Robert Amsel, ab der zweiten Nacht Zeuge der Ereignisse, stellte 1987 im US-Homo-Magazin "Advocate" die Frage, ob die Unruhen in der Christopher Street unter diesen Umständen überhaupt "irgend etwas mit schwul-lesbischen Rechten zu tun" gehabt hätten. Auch wenn die Eruption in der Christopher Street eher ein Zufall gewesen sein sollte, die, wie Spötter sagen, verstärkt wurde durch die Trauer der Homos um die am gleichen Tag beerdigte Judy Garland: Die "Haarnadel-Revolte", wie sie zunächst genannt wurde, erlangte eigene Bedeutung und versetzte der Homo-Emanzipation einen kräftigen Schub über die bieder-bürgerlichen Anstrengungen der 60er Jahre hinaus. Die kurze Zeit später gegründete Gay Liberation Front (GLF) hatte eine eindeutig linke Ausrichtung und orientierte sich an der Friedens-, Black-Power- und Frauenbewegung jener Zeit. Auch dort hatte es Radikalisierungen gegeben, und Gay Lib war eingebunden in die durch Hippiekultur und den Protest gegen den Vietnam-Krieg gekennzeichnete Auf- und Umbruchstimmung. An die Stelle höflichen Protestierens durch bürgerliche Homophile aus der Anzugträger-Ecke trat nun militante Konfrontation.

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